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16.12.2020

Binnenschiffer in fünfter Generation

Ole Lohmann führt die Familientradition fort

Die Reederei Deymann aus Haren (Ems) bietet eine nicht alltägliche Berufsausbildung zum Binnenschiffer an. Das Besondere an der Tätigkeit: Es wird immer einige Zeit auf dem Schiff verbracht, sodass viele Orte kennengelernt werden und das Team zur zweiten Familie wird. Ole Lohmann hat schon vor dem Start seiner Ausbildung in diesem Jahr Seeluft mit seinem Onkel geschnuppert. Er erzählt von seinem neuen Leben auf dem Schiff.

Vorschau

Ole, Binnenschiffer ist ein außergewöhnlicher Beruf. Wie genau kam es dazu, dass du diesen erlernen wolltest?
Das ist eine einfache Frage – der Beruf ist Familientradition. Ich bin mit meinem Onkel schon als kleines Kind auf Schiffen mitgefahren und mein Opa hat mir viel aus seiner Zeit als Schiffsführer erzählt. Und durch unseren Wohnort an der Elbe habe ich mich auch schon immer für Wasser begeistert. Mit 14 Jahren habe ich dann ein Praktikum bei meinem Onkel gemacht, wodurch eine noch stärkere Bindung zu der Tätigkeit entstanden ist. Hobbymäßig begeistere ich mich ebenfalls für Wasser – ich bin leidenschaftlicher Wakeboarder.

Warum hast du dir dann die Reederei Deymann als Ausbilder ausgesucht?
Ich habe mich im Internet darüber informiert, wer Ausbildungen zum Binnenschiffer anbietet. Deymann war das einzige Unternehmen, das sich aus meiner Sicht überzeugend in den sozialen Medien dargestellt hat und auch Einblicke in die Ausbildung gegeben hat. Das und die drei verschiedenen Arten von Schiffen der Reederei – Tank-, Fracht-, und Containerschiffe – haben mich überzeugt.

Du bist im August mit deiner Ausbildung gestartet. Wie hast du den Einstieg erlebt und was macht ein Binnenschiffer überhaupt?
Für mich hat ein ganz neuer Lebensabschnitt begonnen, weil man als Binnenschiffer immer zwei oder drei Wochen auf dem Wasser ist und auf dem Schiff lebt. Danach ist man zwei oder drei Wochen Zuhause. Ich wurde von dem Team sofort in das Bordleben auf dem Tankschiff integriert. Wir sind zu fünft und haben eine Wohnung mit eigenen Zimmern und Gemeinschaftsbereichen wie die Küche, in der wir immer zusammen essen. Als erstes habe ich die Abläufe des Ladens und Löschens – also das Entladen – von Diesel und Benzin sowie das Vertäuen des Schiffes gelernt. Zudem muss ein Binnenschiffer sein Schiff immer gut Instandhalten – dazu gehören Schleifen, Malerarbeiten, Wartung des Motors und vieles mehr. Heute wechseln wir beispielsweise das Öl im Maschinenraum und schmieren die Ruderanlage. Es gibt hier viel Technik, die bedient werden muss. Abends darf ich dann immer kurz ans Steuer, auch wenn das erst im dritten Jahr Bestandteil der Ausbildung ist.

Auf was für einem Schiff arbeitest du?
Seit drei Monaten bin ich auf der „Marten Deymann“ und bleibe hier auch im ersten Ausbildungsjahr. Es ist 110 Meter lang, 11,45 Meter breit und hat eine maximale Tonnage von 2.505 Tonnen. Wir können die Ladungen trennen, sodass gleichzeitig Diesel und Benzin transportiert werden kann.

Wo findet man die Marten Deymann aktuell? Wie geht die Fahrt weiter?
Wir sind von Herne aus unterwegs nach Mannheim und haben in Duisburg geleichtert – also Diesel gelöscht –, damit das Schiff für die Fahrt über den Rhein nicht zu tief liegt. Wie es nach der Ankunft in Mannheim weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Die Aufträge kommen spontan rein. Wir wissen immer erst kurzfristig, wo es in Deutschland, Holland oder Belgien hingeht. Wo wir hinmüssen, da fahren wir auch hin. Grob kann man aber sagen, dass wir in zwei Wochen 1.000 bis 2.000 Kilometer zurücklegen. Mit der Strömung können wir bis zu 20 km/h schnell fahren. Dabei arbeiten meine Kollegen in Schichten, sodass das Schiff 24 Stunden unterwegs ist. Da ich noch nicht volljährig bin, arbeite ich in den Tagschichten. Wenn man aus der Freischicht von Zuhause kommt, ist es auch immer spannend: Ich rufe dienstags beim Schiffsführer an, wo sich das Schiff befindet, damit ich schon mal nach Zügen gucken kann, um das Schiff am Mittwoch zu erwischen – es ist eben ein sehr spontaner Beruf.

Was ist das Faszinierende an dem Beruf und was muss man dafür mitbringen?
Das Tolle an einem Leben als Binnenschiffer ist, dass man immer auf dem Wasser ist und dabei jeden Tag neue Menschen und neue Orte kennenlernt. Zudem gehört ein spannender Aufgabenwechsel zwischen Handwerk und Technik zum Alltag. Ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt schon wichtige Aufgaben übernehmen darf. Zum Beispiel gebe ich dem Kapitän vom Deck aus per Funk durch, wie groß die Abstände nach Backbord und Steuerbord in einer Schleuse sind, damit er manövrieren kann. Die Schleusen sind meist nur 65 Zentimeter breiter als das Schiff. Wichtig ist zudem, dass man Lust darauf hat, unterwegs zu sein, die Verantwortung für das Schiff versteht und ein technisches Verständnis mitbringt. Gute Laune darf auch nicht fehlen.

Wie geht dein Weg nach der Ausbildung weiter?
Mein erstes Ziel ist, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Danach steht Weiterbildung auf dem Programm, sodass ich in Zukunft ein guter Schiffsführer mit eigener Mannschaft sein kann. Einige meiner Kollegen hier sind schon seit 11 Jahren gemeinsam auf der Marten Deymann. Das Team und das Unternehmen unterstützen mich bei meinen Plänen voll und ganz, was ein tolles Gefühl ist. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich das Familienerbe in fünfter Generation mit Leidenschaft fortführe.

Über die Reederei Deymann Management GmbH & Co. KG
Wir haben uns innerhalb der letzten Jahre zu einer der großen Binnenschifffahrtsreedereien in Deutschland entwickelt. Von Anfang an haben wir uns auf die Binnentankschifffahrt spezialisiert und sind seither stetig gewachsen. Zudem sind wir auch in der Fracht- und Containerschifffahrt aktiv. Unser gesamtes Team an Land und an Bord ist darauf fokussiert für sämtliche Transportgüter den bestmöglichen Transport und Service zu bieten. Wir kümmern uns um die Anliegen unserer Kunden und finden die optimalen Lösungen für einwandfreie Transporte. Wir transportieren verschiedenartige Transportgüter auf aktuell 38 modernen Tank-, Fracht- und Containerschiffen. Unsere Schiffsflotte hat eine gesamte Tonnagekapazität von über 120.000 Tonnen. Unsere Schiffe sind auf allen europäischen Wasserwegen zwischen den Seehäfen Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen, sowie der gesamten Rheinschiene und dem europäischen Kanalnetz aktiv unterwegs. Die gesamte Flotte der Reederei Deymann besteht aus sicheren Doppelhüllenschiffen mit unterschiedlichen Tankräumen. Die Räume bestehen aus Edelstahl-, Coating- und Schwarz-Stahl-Tanks mit verschiedenen Abmessungen für die jeweiligen Fahrtgebiete.

Unsere Transportleistungen im Überblick:

  • Mineralöltransporte
  • Chemietransporte
  • Bunkerungen
  • Sondertransporte
  • Transport von Massengut und Stückgut
  • Transport von Futtermitteln und Getreide
  • Containertransporte
  • Speiseöltransporte
  • Paraffintransporte

Unternehmen

Reederei Deymann Management GmbH & Co. KG

Ansprechpartner

Martin Deymann
Papenwiese 5, 49733 Haren

E-Mail: deymann@reederei-deymann.de
Telefon: 05932-7358-0
Webseite: www.reederei-deymann.de

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